Typ-1-Diabetes

Als Ursache des Typ-1-Diabetes wird heute ein Zusammenspiel von Erbfaktoren, Virusinfekten und sogenannten Autoimmunerkrankungen angenommen.
Der Typ-1-Diabetes entsteht, weil die insulinproduzierenden Zellen durch das körpereigene Immunsystem zerstört werden. So findet man bei 90% aller Menschen mit einem frisch entdeckten Typ-1-Diabetes Antikörper gegen die Inselzellen (=ICA) oder auch gegen das körpereigene Insulin (z.B. GAD).
Dass das körpereigene Immunsystem so selbstzerstörend reagiert, scheint mit den Erbanlagen assoziiert zu sein. Anderseitige Auslöser wie z.B. Infekte, Umweltgifte, Impfungen etc. werden zur Zeit kontrovers diskutiert oder sind noch gänzlich unbekannt. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der Zerstörungsprozess sich teilweise über Jahre hinziehen kann und die typischen Krankheitssymptome erst dann auftreten, wenn nur noch 10-20 % des insulinproduzierenden Gewebes übrig sind. Viele junge Menschen mit einem Typ-1-Diabetes fürchten, dass sie ihre Erkrankung vererben. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Diabetes an die nachfolgende Generation weitergegeben wird, liegt entgegen früherer Meinungen nur bei ca. 3-5%.
Die Symptome und klinischen Zeichen bei Manifestation des Typ-1-Diabetes sind direkte Folgen des Insulinmangels und der dadurch ansteigenden Blutzuckerwerte. Wie lassen sich diese Symptome erklären: Durch den kompletten Insulinmangel steigt der Blutzuckerspiegel an. Der Zucker kann aber durch den fehlenden Insulinschlüssel nicht in die Zelle gelangen. Deshalb melden die Zellen dem Organismus weiterhin einen Energiemangel, was dazu führt, dass die Leber ungehemmt große Mengen Zucker produziert und an das Blut abgibt. Ab einer Blutzuckerhöhe von circa 180 mg/dl, der sogenannten Nierenschwelle; beginnt der Körper, die überflüssige Glukose über die Niere auszuscheiden. Der Zucker bindet dabei viel Wasser, wodurch dem Körper zusätzlich Flüssigkeit verloren geht. Deshalb kommt es zu einem quasi unstillbaren Durst, obwohl die Betroffenen oft über 10 Liter Flüssigkeit pro Tag konsumieren. Durch den hohen Verlust an Körperwasser, Elektrolyten und Mineralien wird der Organismus stark geschwächt, Symptome wie Abgeschlagenheit und Müdigkeit sind die zwangsläufige Konsequenz. Auch die Haut reagiert auf den starken Flüssigkeitsverlust, sie wird spürbar trocken und beginnt zu jucken. Bei weiterhin fehlender Insulinzufuhr werden auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel in Mitleidenschaft gezogen, Muskel- und Fettgewebe werden kontinuierlich abgebaut, was eine gravierende Gewichtsabnahme zur Folge hat. Zusätzlich wird der Körper jetzt noch mit Ketonkörpern, Abbauprodukten des Fettstoffwechsels, überschwemmt. Es folgt eine komplette Übersäuerung des Organismus, die als Ketoazidose bezeichnet wird. Die typischen Symptome der Ketoazidose sind Übelkeit, Erbrechen, Bauch- und Muskelkrämpfe. Der Körper versucht, diese Ketonkörper über die Haut, die Lungen und den Urin auszuscheiden. Die Atmung wird deshalb tief und angestrengt und die Atemluft hat einen typischen obstartigen (faule Äpfel, Nagellackentferner) Geruch. Wenn diese extreme Stoffwechselentgleisung fortschreitet, kommt es auch zu einer Verschiebung des Säure-Basen Gleichgewichtes, des Flüssigkeitsgehaltes innerhalb und außerhalb der Zellen bis hin zu der Entwicklung des lebensbedrohlichen Koma diabeticum.
Diese Folgen des absoluten Insulinmangels können jedoch nicht nur bei Erkrankungsbeginn entstehen, so dass es für jeden Menschen mit einem Typ-1-Diabetes wichtig ist, diese Stoffwechselentgleisung frühzeitig erkennen und adäquat behandeln zu können. Die Langzeitbetreuung des chronisch erkrankten Menschen mit einem Typ-1-Diabetes kann nur dauerhaft erfolgreich sein, wenn der Patient von einem kompetenten Schulungszentrum (Klinik oder diabetologische Schwerpunktpraxis) ausführlich geschult und beraten wurde, diese gut kooperieren mit dem überweisenden Hausarzt und entsprechenden Spezialisten anderer Disziplinen. Bei dieser Langzeittherapie müssen quartalsmässig regelmäßige Untersuchungen, Nachschulungen etc. durchgeführt werden, es ist absolut unverzichtbar, diese entsprechend zu dokumentieren (Diabetespass der Deutschen diabetes Gesellschaft o.ä.) um so langfristig in der Lage zu sein, eine höchstmögliche Lebensqualität des Menschen mit Typ-1-Diabetes zu erzielen und gleichzeitig diabetesspezifische Folgeerkrankungen zu vermeiden oder zumindest deren Auftreten so weit wie möglich hinauszuzögern.

Literaturverzeichnis
Texte aus folgenden Büchern:
"Diabetes mellitus",
hrsg. von Michael Berger,
Urban und Schwarzenberg, 1995, ISBN 3-541-15951-0
"Gut leben mit Typ-1-Diabetes",
hrsg. von Renate Jäckle, Axel Hirsch, Manfred Dreyer,
Urban & Fischer, 2000, ISBN 3-437-45296
"Schulungsbuch für Diabetiker",
hrsg. von Gerhard-W. Schmeisl, Gustav Fischer, 1997, ISBN 3-437-31170-0
"Diabetes- und Sportfibel",
hrsg. von Ulrike Thurm, Bernhard Gehr,
Kirchheim & Co, 2001, ISBN 3-87409-338-7